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Pressemeldung

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21. März 2017

Den „Negerkuss“ einfach aus den Köpfen verbannen

Amnesty International kämpft gegen Alltagsrassismus – Heute bundesweite Aktionen

WILHELMSHAVEN /TIN -  Bei einer Demonstration gegen ein Gesetz über die Apartheid in Südafrika wurden 69 Menschen getötet. Das war am 21. März 1960. Sechs Jahre später haben die Vereinten Nationen deswegen den 21. März zum „Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung“ ernannt.

So wird auch heute wieder bundesweit durch zahlreiche Aktionen ein deutliches Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Denn das Thema ist trotz vieler Fortschritte auch heute noch hochaktuell. Das zeigt sich besonders seit dem großen Flüchtlingszustrom nach Europa in den vergangenen zwei Jahren.

In Wilhelmshaven setzt sich eine kleine Gruppe Aktiver im Namen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gegen Rassismus ein.

Zu den sieben Mitstreitern der hiesigen Gruppe gehört unter anderem Dr. Wolfgang Prött. Er besuchte vergangene Woche die Cäcilienschule, um dort Plakate zum Aktionstag abzugeben.

Der Kontakt zur Schule war zustande gekommen, weil der Geschichts- und Politiklehrer Rolf Körperich im vergangenen Jahr seine Schüler dazu animiert hatte, am alljährlichen Briefmarathon von Amnesty mitzumachen. Bei diesem Marathon schreiben weltweit Menschen Briefe zum Beispiel an Regierungen und fordern die Freilassung zu Unrecht inhaftierter Menschen und ähnliches.

Am heutigen Tag gegen den Rassismus geht es Amnesty International darum, auf das Thema „Alltagsrassismus“ aufmerksam zu machen. Alltagsrassismus führe zu einer Einteilung von Menschen in Gruppen, in ein „wir“ und „die anderen“ wobei „den anderen“ automatisch etwas Negatives anhafte.

„Wenn wir zum Beispiel sagen ,Negerkuss‘ oder ,getürkt‘ denken wir uns dabei zwar nichts Böses, aber wie solche Ausdrücke bei den betroffenen Menschen ankommen, bedenken wir nicht. Das muss aufhören“, sagt Prött. Aus­drücke wie diese zeigten den Betroffenen „Du bist anders. Du gehörst nicht dazu.“

Es gehe Amnesty nicht darum, allen Deutschen Rassismus vorzuwerfen. Die Gesellschaft werde von Klein auf mit rassistischen Stereotypen konfrontiert und nehme sie unbewusst auf. Problematisch sei es nur, wenn man nicht bereit dazu sei, sein eigenes Handeln oder Sprechen kritisch zu reflektieren.

Rassismus sei nicht nur das Handeln oder Sprechen extrem rechter Gruppen. „Wir alle handeln oder äußern uns im Alltag oft rassistisch und grenzen Menschen aus, ohne dass dies beabsichtigt wäre“, heißt es in einer Presseerklärung von Amnesty International. Alltagsrassismus dürfe nicht mit dem Verweis auf übertriebene politische Korrektheit kleingeredet werden. Die Botschaft der Organisation lautet: Alle Menschenrechte müssen von allen Menschen respektiert werden.

 

Wilhelmshavener Zeitung, 21.03.17